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Nass und windzerzaust, aber glücklich

Endlich angekommen! Nach einer langen und anstrengenden Busfahrt stehe ich mit meinem Backpack am Zelt auf der großen Wiese und beäuge aufgeregt und neugierig meine Mitreisenden. Ich werde nämlich die nächsten Tage mit genau diesen Menschen im Zuge der Morning-Light-Tour die schwedische Natur erkunden.
Nach einem ersten gegenseitigen Beschnuppern und kurzer Stärkung mit Hotdogs geht es mit Sack und Pack durch den Wald weiter zum Basiscamp. Hier bekommen wir unsere Seesäcke, in die wir unser ganzes Gepäck umpacken können. Während der Reise werde ich diesen Sack noch lieben lernen…
Unser Guide erklärt uns kurz, wie es weiter geht und schon laufen wir alle eifrig den Weg zwischen Strand und Camp hin und her, um die ganze Ausrüstung zu den Kanus zu tragen. Schon crass, was bei 14 Personen alles an Zeug zusammenkommt…. 14 Seesäcke, 14 Paddel und Schwimmwesten, 8 Essens- Tonnen, 8 Eimer, 8 Zelte, 4 Kisten mit Werkzeug und co., 4 Planen, 4 Wasserkanister, Töpfe, Pfannen und und und… Dementsprechend ratlos stehen wir auch alle um die Kanus herum, da wir noch nicht so recht wissen, wie wir diese bepacken sollen. Aber auch hier steht uns unser Guide mit Rat und Tat zur Seite und nach kurzer Zeit ist alles verstaut und es kann los gehen.
Das Abenteuer beginnt…!

Bei Traumwetter paddelt unsere Truppe also aus der Bucht heraus auf den Foxen.
Da ich das erste Mal in Schweden bin und bisher immer nur Fotos gesehen habe, bin ich „geflashed“ von der Landschaft und sitze vor mich hin grinsend in meinem Kanu. Das Grinsen verstärkt sich zunehmend, da wir Kanuneulinge das mit dem richtigen Paddeln und der Steuerung noch nicht ganz raus haben und es so zu munterem Zick-Zack- Kurs Paddeln und einigen kleineren Zusammenstößen kommt.

Am frühen Nachmittag kommen wir schließlich an unserem ersten Übernachtungsplatz an. Da wir als größere Gruppe dem An- und Abreisetrubel etwas umgehen wollen, ist dieser Platz kein offizieller Dano- Platz und besteht „nur“ aus einer Feuerstelle mit Bänken drum herum. Dies tut der Idylle aber natürlich keinen Abbruch.
Wir hieven also unser ganzes Gepäck wieder aus den Kanus und rauf zur Feuerstelle. Während unser Guide die Planen als Windschutz aufhängt und anfängt das Lagerfeuer anzuzünden, heißt es für uns Zelte aufbauen. Da unsere Gruppe auch aus Camping-Anfängern besteht, wird wieder herzlich gelacht, als der ein oder andere verzweifelt versucht die drei Zelt-Stangen an die dafür vorgesehene Stelle zu platzieren. Wir haben allerdings auch zwei Profis dabei, die diese Tour schon x- mal gemacht haben und in null komma nix Ihre Hängematten zwischen die Bäume gebunden haben. Sieht schon sehr gemütlich aus muss ich sagen…

Nun geht es ans Abendessen zubereiten und heute gibt es zur richtigen Einstimmung: Bohnen mit Speck! Hört sich schlimm an, ist aber super lecker und sorgt zur späteren Stunde für viele Lacher!
So geht unser erster Tag also zu Ende… Wir sitzen gemütlich am Feuer, rösten unser Stockbrot und erzählen …

Die erste Nacht im Zelt läutet weiter das Urlaubsgefühl ein. Eingekuschelt im Schlafsack hört man nichts außer den Wind und das Plätschern des Wassers. Mal abgesehen von den Schnarchern und Pupsern der Mitcamper ;-P

Am nächsten Morgen will sich die Sonne leider nicht zeigen. Stattdessen höre ich bereits beim Aufwachen das Tröpfeln des Regens auf das Zeltdach. Nach dem Frühstück heißt es: Abbauen und alles wieder in den Kanus verstauen. Bis das geschafft ist, dauert es… aber unser Guide beruhigt uns: „Spätestens am 3. Tag seid Ihr Nomaden!“

Leider meint der Wettergott es heute nicht gut mit uns und der Regen wird stärker und stärker. Hinzu kommt, dass der Wind ordentlich auffrischt und wir den Regen somit direkt ins Gesicht geklatscht bekommen. Unsere Route führt uns einmal quer über den Foxen. Wir kämpfen uns also, eingepackt in unsere Regenklamotten, durch den Regen und paddeln was die Paddel hergeben, um möglichst schnell über den See zu kommen. Irgendwann sind wir aber trotzdem durch und durch nass und ich bin gedanklich seeehr froh über den Seesack!!! Zumindest die Wechselklamotten bleiben trocken. Gegen frühen Nachmittag lässt der Regen kurz nach und wir nutzen die Gunst der Stunde für das Mittagessen. Wie Kekse und die restliche Terrence-Hill-Bohnen-Pfanne die Laune bei allen Beteiligten doch erheblich steigern können ;-). Wieder etwas wärmer geht es in wieder einsetzendem Regen weiter zum Nachtlager. Dieses Mal ein richtiger Dano mit Windschutzhütte.

Schon bald sind die Zelte wieder aufgebaut und die Planen hängen über der Feuerstelle. Diese sind auch sehr von Nöten, denn zeitweise gießt es aus Kübeln und ein richtig kleiner Fluss fließt am Ende der Plane herunter.
All das tut unserer Laune aber keinen Abbruch. Wir quatschen, lachen viel und stehen währenddessen in unseren nassen Klamotten vor dem Feuer und versuchen diese wieder einigermaßen trocken zu bekommen. Schließlich müssen wir diese morgen wieder anziehen.

Auch am nächsten Morgen meint der Wettergott es nicht all zu gut mit uns, wobei das Wetter besser ist als gestern. Es regnet nicht mehr durchgehend, sondern es gibt auch trockene Phasen und der Nachmittag wird sogar ganz schön.

Vorbei geht es weiter an wunderschönen roten Ferienhäuschen und traumhaften See-/ Flussabschnitten. In Schweden habe ich mich jetzt schon verliebt – trotz des bisher mäßigen Wetters!!

Irgendwann fahren wir in eine kleine Bucht und die angekündigte erste Umtrage steht an. Also heißt es: Alle Mann raus aus den Kanus und anpacken! Die Wagen abschnallen, mit gefühlt 10 Personen die Kanus anheben (die Dinger sind beladen doch verdammt schwer!!) und die Räder positionieren.

Voller Elan geht es also in 2er Teams inkl. des eigenen Kanus die Straße entlang. Die Ernüchterung folgt aber innerhalb der ersten paar Meter. Leider steht unserem Ziel nämlich ein „Hügel“ im Weg und die nächsten ca. 500-600 m geht es nur bergauf. Mein Kanupartner und ich sind relativ schnell am keuchen und wir tun unser Bestes, das Teil den Hügel hinauf zu schieben. Hätte ich mal vorher mehr Sport gemacht...!!! Wir sind aber nicht die Einzigen. Auch die anderen sind am Kämpfen... Zum Glück ist unser Guide eher ein Kerl vom Typ „Kante“ und unterstützt uns tatkräftig. Das sieht schon etwas unverschämt einfach aus, wie er die Kanus teilweise im Alleingang da hinauf schiebt!!
Wir sind halt Luschen... ;-)

Oben angekommen gibt es für alle erst einmal einen Belohnungskeks. Den haben wir uns verdient!!

Weiter geht es ca. 20 Minuten über Schotterpisten zum nächsten Einstieg. Dieser mit Schilf und Seerosen bewachsene See sieht auch wieder aus, wie auf einer Postkarte!! Schweden ist einfach wunderschön!!!!
Bis zu unserem nächsten Dano ist es dann auch nicht mehr weit. Er hat dieses Mal eine schöne große Wiese mittendrin, auf dem genug Platz ist, unsere Wäscheleinen aufzuspannen und einen Versuch zu starten, die nassen Zelte und Klamotten trocken zu bekommen.

Da nun auch unser mitgenommenes Feuerholz aufgebraucht ist, heißt es Holz sammeln! Also geht es ans tote Bäume suchen, fällen, zersägen und spalten. Einige in unserer Truppe haben hierbei glaube ich Ihre neue Bestimmung gefunden ;-) „The Machine“ war nur einer der Namen... :-P
(Und wir sind eine Truppe mit 9 Mädels, 3 Kerlen + Guide gewesen kurz bemerkt. )

Nach dem Sprung ins kühle Nass sitzen wir also alle zusammen gemütlich bei Bratkartoffeln am Lagerfeuer und die erste Runde „Werwolf“ wird gespielt. Das Spiel sollte zu unserem Begleiter der nächsten Abende werden. Was haben wir gelacht....!!!! Wenn ich nun beim schreiben wieder daran denke, muss ich direkt wieder lachen.
Alles in allem also ein mehr als gelungener und aufregender Tag!!

Auch der nächste Tag ist leider eher regnerisch als trocken. Aber das Paddeln im Regen hat mittlerweile etwas meditatives und wenn man nass ist, ist man halt nass.... Wie gesagt: Es lebe der Seesack mit den trockenen Wechselklamotten!!!

Die Laune ist trotzdem ganz weit oben und es wird viel geblödelt und gelacht.

Am Dano angekommen beginnt der übliche Trott und mittlerweile sind wir wirklich, wie die Nomaden! Ruck zuck und alles ist aufgebaut.
Leider ist auf der Insel selbst kein Totholz mehr zu finden, sodass wir auf die Nächste übersetzen und dort unser Glück versuchen. Hier werden wir schließlich fündig und ich kann endlich einen Punkt auf meiner Bucket List abhaken und laut „Baum fällt“ durch den Wald rufen ;-)

Nach dem Abendessen (übrigens immer super lecker!) wird wieder Werwolf gespielt und zu späterer Stunde der Schnaps ausgepackt. Es wird also wieder ein lustiger Abend!!! inklusive Sternschnuppen gucken und für die ganz mutigen Nacht-Baden!

Der nächste Tag startet, man glaubt es kaum, mit strahlendem Sonnenschein! Dafür ist es sehr windig. Aber hey: hauptsache trocken!!
Weiter geht es durch idyllische kleine Abschnitte zu einer weiteren Umtrage. Die Erste war zum Glück die Anstrengendste und Längste, sodass wir alle anderen Umtragen die Woche über gut meistern. Auch den Belohnungskeksen sei Dank!

Die nächste Etappe führt uns durch einen idyllischen kleinen Fluss, der eher an Mecklenburg Vorpommern erinnert und für ein bisschen Abwechslung und Abenteuer sorgt. Das Wasser ist stellenweise nämlich so flach, dass wir aussteigen und laufen müssen. Unter und über Äste drüber her, um Bieber- Bauten drum herum und durch tiefen Matsch. Alles in allem ein wunderbar aufregender Abschnitt!!!

Am Ende des Flusses gelangen wir wieder an eine große Bucht. Leider ist der Wind mittlerweile so stark und böig, dass es einem, aufgrund der hohen Wellen, eher wie das Meer vorkommt. Es heißt also Zähne zusammenbeißen und paddeln, was die Arme her geben!!
Nach den ersten Metern ist aber klar, dass ein Vorankommen nicht möglich ist und wir brechen ab.
Somit schlagen wir also am Ufer die Zeit tot und erkunden die Umgebung.

Die Wetterprognose sagt, dass gegen Abend die Böen nachlassen sollen. Wir entschließen uns also die nächsten km erst einmal wieder Kanu-wandernd zurückzulegen, um eine kürzere Stecke über Wasser paddeln zu müssen.

Allerdings meint es der Wettergott wieder nicht allzu gut mit uns und die Böen lassen nicht nach. Wir sind inzwischen an einem Badesteg mit Holzhütten- Umkleidekabine angekommen und essen hier unser Abendessen in Form von Müsli, Brot und angebranntem Milchreis – mmhhh. ;-)

Da der Wind ein weiterkommen unmöglich macht und wir unser Zelt nicht einfach irgendwo aufstellen dürfen, da wir mehr als 5 Personen sind, wird die Umkleidekabine also unser Quartier für die Nacht. Wir liegen in unseren Schlafsäcken also ein bisschen, wie die Sardinen in der Dose, nebeneinander und hören dem heulen des Windes und dem Quietschen des Badestegs zu.

Da uns das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht hat, kürzen wir die Route etwas ab und es geht nicht weiter südlich, sondern zurück Richtung Lennartsfors. Es scheint zwar nun endlich die Sonne, aber der Wind bleibt mehr oder weniger da.

Die letzten Tage werden noch von Highlights, wie dem Auto-Friedhof oder dem 3 Gänge Menü gekrönt. Es gibt Pilzsuppe mit selbst-gesuchten Pilzen, Reis mit Paprika-Schoten und als Nachtisch Elch-Köttel. Dies sind kleine im Fett gebackene Teigbällchen, die im kalten Zustand mit Nutella umhüllt werden. Himmlisch!!!

Am letzten Tag sind wir alle etwas wehmütig, dass die Woche so schnell vorbei gegangen ist...

Angekommen am Camp wird das ganze Material wieder zurückgebracht und gesäubert. Wir verbringen alle zusammen einen letzten Nachmittag im Camp, bevor es abends per Bus wieder in die Heimat geht...

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal gaaaaaaaaaaaanz herzlich bei Scandtrack, unserem Guide und allen Mitreisenden bedanken. Es war ein wunderschöner Urlaub, mit Muskelkater in den Wangen vom vielen Lachen, vielen neuen Erfahrungen und vor allem unvergesslichen Erinnerungen!! Schweden hat mich ganz bestimmt nicht das letzte mal gesehen... tills nästa gång. Bye!
geschrieben von Katharina M. am 15.10.2018
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