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Reisebericht
Nach einer langen Autofahrt und mehreren kleinen Zwischenstopps kamen mein Vati und ich ein wenig müde, dafür aber voller Vorfreude in Sandhem an. Freundlich wurden wir im Outdoorcamp Tidan empfangen und gleich darauf ging es für uns schon ans Beladen des Kanus. Ein letzter Blick auf unsere Ausrüstung sowie die wundervollen Islandpferde des Camps und schon ging es für uns los – flußabwärts zu der ersten Übernachtungsstelle am See Gimmesjön. Doch zunächst mussten wir uns erst einmal mit der Karte zurechtfinden, welche anfangs zur Verwirrung führte. Nichts desto trotz kamen wir recht schnell voran. Am See trafen wir auch andere Paddler, welche allerdings die Weiterreise antraten. So konnten mein Vati und ich den Platz zunächst für uns allein erkunden, das Zelt aufbauen sowie ein Feuer entfachen. An diesem Abend versuchten wir uns an Bratkartoffeln, welche zumindest nicht schwarz geworden sind. In der Nacht waren plötzlich Stimmen zu hören, wobei mich im ersten Moment ein ziemlich mulmiges Gefühl überlief. Jedoch stellten wir am nächsten Morgen fest, dass es super nette Schweden waren, die einfach nur zu spät losgefahren waren, sich aber glücklicherweise gut auskannten.
Ein Müsli und einen Tee später bepackten wir Frieda, unser Kanu frisch getauft, mit Kisten und zahlreichen Säcken und es ging auf nach Tidaholm. Auf dieser Fahrt warteten die ersten Stromschnellen, Umtragestellen und Stolpersteine auf uns – wortwörtlich. Doch mit meinem Vati als Ruderkapitän meisterten wir diese kleinen Hindernisse. Als er jedoch an einer dieser Stellen aussteigen wollte, verlor mein Papa einen seiner Crocs und fand ihn unglücklicherweise auch nicht wieder. Nun zogen wir einen Schuh weniger und ein paar grauen Haaren mehr weiter. Trotz des kleinen Malheurs durften mein Vati und ich zu unserem Glück Rehe beobachten, welche in den folgenden Tagen zu treuen Wegbegleitern wurden, ebenso wie Graureiher und Pferde. Über letztere hat sich mein Herz für Pferde tierisch gefreut. Am dritten Tag unserer Reise erreichten wir einen Rastplatz mit Wasseranschluss, worüber wir ziemlich glücklich und erleichtert waren. Erwähnenswert ist allerdings auch das schicke Klohäuschen – sogar mit Bildern behangen. Zum ersten Mal konnten wir uns am Holzhacken ausprobieren, was leider nicht ganz so einfach funktionierte wie wir uns das gewünscht hätten – aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Diesmal probierte ich mich an Nudeln mit Tomatensoße – und das Gericht ist richtig lecker geworden. Abends grillten wir noch Waffeln, die leider etwas dunkler wurden als beabsichtigt.
Der darauffolgende Tag wird uns besonders lange an diese Reise erinnern. Das Ziel waren 30 km bis zum nächsten Camp. Während mein Vati die Etappe für diesen Tag eher beenden wollte, blieb ich hartnäckig, damit wir die 30 km für diesen Tag schafften – die längste Strecke bis dahin. Wir passierten die 18. und letzte Umtragestelle, doch ein Camp tauchte nicht auf und es wurde zunehmend dunkler. Plötzlich kam doch ein Schild zum Vorschein, allerdings sahen wir nichts außer Wildnis. Dennoch stiegen mein Vati und ich aus und improvisierten einen Lagerplatz neben dem Toilettenhäuschen aus unserem Boot und Planen. Vor lauter Aufregung machten wir uns zu später Stunde nur noch eine Nudelsuppe warm.
Schnell machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg, da der Wetterbericht am Nachmittag Regen ansagte. Aus diesem Grund fiel diese Etappe recht kurz aus und so schlugen wir in Lagerfors unser Lager auf. Mit allen Planen, Seilen, Klammern und Paddeln dichteten wir es ab und spielten für den Rest des Nachmittages Karten. Dazu gab es Tee sowie gute Musik aus unserem Solarradio.
Am sechsten und vorletzten Tag unserer Reise machten wir einen Zwischenstopp in der Stadt Tidan und ein paar Einkäufe zu erledigen. Doch waren wir ziemlich sprachlos als wir realisierten, dass die Menschen in Schweden ohne Maske einkaufen gehen durften. Nach einer kleinen Stärkung stellten mein Vati und ich auf dem Weg zur Einsetzstelle erneut fest, dass in fast jedem Garten der Schweden ein Rasenroboter herumfährt – einer sogar direkt ins Wasser. Wieder auf dem Wasser verpassten wir unser ausgesuchtes Camp. Aus diesem Grund schafften mein Vati und ich doch noch den darauffolgenden See in der Nähe von Östen. Doch das Lager, welches wir als nächstes ansteuerten, war unauffindbar. Aufgrund dessen suchten wir uns einen Platz inmitten einer Baumgruppe aus. Die nächste Stunde waren wir damit beschäftigt, alles wind- und wasserfest zu bauen. An diesem Abend mussten wir erstmals das Mückenspray rausholen, damit wir in Ruhe am Lagerfeuer sitzen konnten. In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal Oropax benutzen müssen und das nicht mal wegen des Schnarchens meines Vatis, sondern weil die Plane durch den Wind ziemlich laut flatterte.
Morgens wollten wir eigentlich zeitig starten, doch machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Aber abwarten und Tee trinken half nichts und so begaben wir uns im strömenden Regen auf den Weg nach Mariestad, den letzten und finalen Ort unserer Reise. Während der letzten paar Kilometer ließen sich sogar die Sonne und ein Regenbogen blicken. Kurz vor dem Ziel wurden wir allerdings von dichtem Schilf überrascht. Frieda musste zwar einiges einstecken, trotz dessen brachte sie uns sicher an die allerletzte Aussetzstelle. Dort endete unsere Reise auf dem Tidan. Pünktlich wurden wir am Nachmittag in Mariestad abgeholt und konnten eineinhalb Stunden später eine warme Dusche genießen, die man da erst richtig schätzen gelernt hat. Nachdem auch die letzten Kisten verstaut waren, verließen Papa und ich mit einem Lächeln im Gesicht den Parkplatz des Outdoorcamps Richtung Heimat.
geschrieben von Denis L. am 15.10.2021
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